LTE, SIM-Karten und er­reich­bare Ge­schwin­dig­keit­en

Ich bräuchte mal Nachhilfe beim LTE-verstehen.

Vor einer Woche bin ich etwas durch die Gegend gefahren und wollte wissen, wieviel der versprochenen MBit/sec man denn tatsächlich aus dem Mobilfunknetz her­aus­hol­en kann. Das Er­geb­nis war hin­reich­end er­schreck­end, daß ich me­tho­lo­gische Fehler vermute.

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Bandbreite satt lt. Abdeckungskarte

Ausgestattet war ich mit einem B353-333, der als LTE Cat.7-Gerät 300/100 MBit/sec aus LTE-Netzen kitzeln bzw. in jene hochpusten können soll; darin eine »LTEmax«-Telekom-Data-SIM. Ferner hatte ich mein Huawei Mate 20 Pro mit einer Reseller-SIM im Telekom-Netz dabei, die auf 50 MBit/sec im Download begrenzt ist. Das Testgebiet lag – aus $Gründen – im Norden Güterslohs — dort, wo die Bewohner ihre DSL-Pakete beim Namen nennen können, weil es noch ein klassisches DSL-Gebiet ist. Kein VDSL, kein Vectoring; kein TV-Kabel und auch kein Glasfaserausbau in Sicht. Aber 300 MBit/sec Telekom-LTE — lt. Karte.

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Tele­kom-LTE via Han­dy

Jedoch: der erste Versuch vom Handy war recht ernüchternd, 1,7 zu 0,4 MBit/sec lagen doch weit entfernt von den angeblich möglichen 300 MBit/sec.

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Telekom-LTE via Rou­ter
Über den LTE-Router und die Telekom-SIM waren immerhin 3,3/1,0 MBit/sec drin — also rund ein Prozent der angeblichen Bandbreite.

Ich habe dann noch an anderen Stellen in der Gegend Tests gemacht, aber seltenst wurde diese im Telekom-Netz auch nur knapp zweistellig. Ein zweites mitgeführtes Mobiltelefon hatte eine D2-Daten-SIM von 1&1 (Limit 50 MBit/sec) und meine 1&1-SIM im »E-Netz«, sprich O2 (grün), die bis 225 MBit/sec ›zugelassen‹ sein soll — das mag dort kein weißer Fleck sein – prinzipiell hat man Netz –, aber für mehr aus Sprachübertragung taugt der Mobilfunk dort bei keinem Anbieter.

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Data-Pre­paid-SIM im Han­dy, Bouy­ges Te­le­com-Netz

Aber bleiben wir bei der Telekom: durch zwei getrennte Endgeräte würde ich ein Technikversagen ausschließen — wie aber kommt es dann zu diesen bescheidenen Durchsatzraten? Ich habe extra einen eigentlich stationären Router gewählt, da ich mir dort bessere Funkeigenschaften erhoffe als bei einem mobilen Router oder einem Mobiltelefon. Anders als derzeit im Ausland, kann ich mir den Zubringer ins Telekom-Mobilfunknetz ja in Deutschland nicht auswählen — hier in Frankreich, wo ich diesen Beitrag gerade schreibe, macht es z. B. einen massiven Unterschied, ob ich z. B. im Bouyges-, Free- oder aber im SFR-Netz bin. SFR bietet zumindest in der Nacht rund die 50 MBit/sec der Reseller-SIM; in anderen Netzen komme ich zur gleichen Zeit mit der Telekom-SIM bestenfalls auf grob die Hälfte.

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Reseller-SIM im LTE-Router, SFR-Netz

Das mag an Kontingenten liegen, oder an der Auslastung der jeweiligen Netze — insbesondere Free ist mit seinen Angebot von mittlerweile 150 GB im eigenen 3G-, 4G- und 5G-Netz für 20 EUR natürlich auch für Touristen ein Schnapper, und vielleicht liegen die lokal eher enttäuschenden Datenraten daran, daß das Angebot stark in Anspruch genommen wird. (Daß ich auf 3G bessere Werte als bei 4G erhalte, könnte ein Indiz sein.) Ehrlich gesagt weiß ich darüber viel zu wenig, daher auch dieser Beitrag, dessen Link auf Twitter mit der Bitte um Erhellung gepostet werden soll.

Ich denke, ich ›verstehe‹ Shared-Medium, ich denke, ich verstehe auch grob, wie Mobilfunk funktioniert — aber ob es tatsächlich, national und/oder international, Trafficshaping auf Basis des virtuellen Netzbetreibers in den Netzen der realen Netzbetreiber gibt: Pointers welcome. Als Netzneutralitätsahänger würde ich es ja gerne sehen, gäbe es derlei nicht — als Netzbetreiber fände ich Nutzerklassen aber natürlich knorke, und eine Bevorzugung von BOS gibt es IIRC seit GSM?

Anyway: primäres Ziel ist es zu verstehen, warum ich in Gütersloh-Niehorst gerade einmal 3 der angeblich möglichen 300 MBit/sec im Telekom-Mobilfunk »ertesten« kann. Das Band-Chaos seit LTE habe ich nie wirklich verfolgt: ist der B535-333 ›inkompatibel‹ zum Telekom-Netzausau im Gütersloher Norden? Wie steht es um Hauweis Mate 20 Pro und Samsungs Note 20? Was hat es mit den »Band-Kombinationen« auf sich und kann der B535 das korrekt selbst regeln, oder muß ich zum kruden JavaScript-Würgaround greifen? Und wie erteste ich zukünftig korrekt die mögliche Nutzbandbreite eines Anbieters an einem konkreten Standort?

Fragen über Fragen, im Zwiefelsfalle also schon mal ein Frohes Fest und einen Guten Rutsch 😉